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Brief/Gedicht
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Gedicht von Walter Schnackenberg, 1955 Ein Mann, ein Mann! Es hauste einst, in alter Stadt, ein Weib mit heißem Blut. Es war in punkto niemals satt, es fehlt ihr für die Lagerstatt ein Bursche, ob schlecht, ob gut. Am Galgen, vor dem Tore, war ein Räuber aufgehängt. Sie schnitt ihn ab und nahm ihn mit, rieb ihn mit Kräutern und mit Sprit, bis alles eingerenkt. Und als der Strolch dann wieder fit nicht mehr halbtot und matt kroch er zu ihr in´s Bett hinein zufrieden war das Weibelein und beider Rechnung glatt. Auszug aus einem Brief von Walter Schnackenberg (an Dr. Carl-Ludwig Duisberg, vom 9. Oktober 1950) "Ich bin mir ja bewußt, wie einsam meine Gedanken und ihre versuchten Realisationen liegen und daß ich mich mit ihnen auf einem Weg befinde, der, weil er die unerbittlichen Konsequenzen der menschlichen Entweihung und einer verlogenen und wurzellosen Scheinmoral kreuzt, vielen abschreckend und lästerlich erscheinen muß. Der Mensch fürchtet sich vor seiner Fratze, und diejenigen, die versuchen, sie ihm zu zeigen, laden allen Haß und Spott auf sich. Es ist nicht der heutige Materialismus an sich, sondern dessen Ursache, die Agonie der religiösen Überzeugungskraft, die den Menschen verwirrt und haltlos macht. Mit Hexenkünsten versucht man aber Ursache und Wirkung zu verwechseln und steigert die Verwirrung zum Chaos eines babylonischen Mißverstehens (Claudel contra Gide)... Welche Überheblichkeit in der Überschätzung unserer, ach, so vernunftgebundenen Existenz mit ihrer nebulösen, diesjenseitig beanspruchten Sonderstellung. Wir würden uns vielleicht schämen müssen, wenn wir das Daseinsgefühl eines freien Vogels oder Rehs begreifen könnten. Ich fass das Tier nur als Schreckbild auf, wenn sien Gesicht zum Menetekel wird, indem es in die Gestalt des Menschen schlüpft. Eine Frau mit dem Kopf einer Maus nagt. Sie ist menschliches Ungeziefer. Das Tier ist böse, denn seine Natürlichkeit ist nun gepaart mit dem spekulativen Bewußtseinn des Menschen. So erst wird es böse. Es wird zum spukhaften Symbol menschlicher Abgründe. In vielen Menschengesichtern sind solche Symbole eingezeichnet. Es begegnen uns Frauen mit den lüsternen Augen von Äffinnen, bei anderen wäre man kaum erstaunt, die gespaltene Zunge einer Schlange oder Echse aus dem giftigen Mund züngeln zu sehen. Das sind menschliche Tiere. Zahllos umngeben sie uns heute. Auch jene Männer mit den Krötenköpfen, die im Sumpf betriebsamer Geschäfte ihr Menschsein vergessen, sind es. Das Gesicht des Tieres zerrt ihre stumpfe Triebhaftigkeit, die nicht Göttliches kennt und sich im Schlamm der Heuchelei verkriechen möchte, ans Licht.... " |


